de VielFalter - Magazin für Polyphonie "VielFalter - Magazin für Polyphonie" (ehemals "Magazin gegen Monokultur") wirft einen kritischen blick auf (Zwangs-)institutionen und beschäftigt sich mit Menschen, Gruppen und Initiativen, welche sich mit den herrschenden Verhältnissen nicht abfinden wollen und am Aufbau von Alternativen arbeiten. Viele andere Welten sind möglich! Tue, 18 Jun 2019 00:18:39 +0000 PodHost Feed Generator 2.4 (https://www.podhost.de) common license no no Interview mit Stefan Weinmann, Autor von "Die Vermessung der Psychiatrie" "Die Vermessung der Psychiatrie – Täuschung und Selbsttäuschung eines Fachgebiets" ist Anfang diesen Jahres im Psychiatrie-Verlag erschienen. "Die Mechanismen von Täuschung und Selbsttäuschung sind aus der Psychologie gut bekannt. In diesem Buch werden diese Erkenntnisse auf das Fachgebiet Psychiatrie selbst angewendet. Wie sieht es aus mit der sogenannten »Evidenz« zu den Ursachen von Depression und Schizophrenie? Wie mit der Wirksamkeit von Medikamenten und Psychotherapien? Welche Bedeutungen haben Vorurteile, Verzerrungen und sich selbst erfüllende Voraussagen in der psychiatrischen Behandlung und Forschung? Und wieso helfen viele gut erforschte Ansätze so häufig nicht?", heißt es im Text, mit dem der Verlag das Buch bewirbt. Das Interview wurde live geführt in der VielFalter-Sendung vom 23. Mai 2019, und wir entschuldigen uns für die dürftige Tonqualität des Telefonates.]]> Thu, 30 May 2019 17:13:55 +0200 https://vielfalter.podspot.de/post/interview-mit-stefan-weinmann-autor-von-die-vermessung-der-psychiatrie gLDus4CKK81zQooymwVCbL5CkMUHif5M "Die Vermessung der Psychiatrie – Täuschung und Selbsttäuschung eines Fachgebiets" ist Anfang diesen Jahres im Psychiatrie-Verlag erschienen. "Die Mechanismen von Täuschung und Selbsttäuschung sind aus der Psychologie gut bekannt. In diesem Buch werden diese Erkenntnisse auf das Fachgebiet Psychiatrie selbst angewendet. Wie sieht es aus mit der sogenannten »Evidenz« zu den Ursachen von Depression und Schizophrenie? Wie mit der Wirksamkeit von Medikamenten und Psychotherapien? Welche Bedeutungen haben Vorurteile, Verzerrungen und sich selbst erfüllende Voraussagen in der psychiatrischen Behandlung und Forschung? Und wieso helfen viele gut erforschte Ansätze so häufig nicht?", heißt es im Text, mit dem der Verlag das Buch bewirbt. Das Interview wurde live geführt in der VielFalter-Sendung vom 23. Mai 2019, und wir entschuldigen uns für die dürftige Tonqualität des Telefonates.]]> 0 00:38:34 VielFalter - Sendung vom 28. März 2019 - Leilani spricht über ihre Psychiatrie-Erfahrung Mit Suizidgedanken leben? – Suizidalität und Selbsthilfe Seit kurzem betreibt sie auch den Blog ferrueckt.com]]> Mon, 25 Mar 2019 08:00:00 +0100 https://vielfalter.podspot.de/post/vielfalter-sendung-vom-28-marz-2019-leilani-spricht-uber-ihre-psychiatrie-erfahrung igHpBniPu4lB8u8p31MEVPbVTb6u0ozd Mit Suizidgedanken leben? – Suizidalität und Selbsthilfe Seit kurzem betreibt sie auch den Blog ferrueckt.com]]> 0 01:00:00 VielFalter - Sendung vom 28. Februar 2019 "Die unheimliche Magie der Psychose", mit dem Hinweis auf ihre Lesung am 12. März, 18 Uhr, in der FHG / Club 55 in Freiburg. Es gibt einen Hinweis auf den Film CRAZYWISE, der von der Freiburger Initiative für Außerstationäre Krisenbegleitung ASK! e.V. am 13. März um 19 Uhr im SUSI.Bewohner*innen-Treff gezeigt wird, einen Hinweis auf die Tagung "Mit Suizidgedanken leben - Suizidalität und Selbsthilfe" am 13. April in Gießen, sowie einen Hinweis auf die Internationale Studie zum Absetzen von Neuroleptika von Will Hall und der Universität Maastricht. Zu guter Letzt wird noch die Wiederholung der Veranstaltung "Leben mit Psychose" am 27. März, 19 Uhr in der Mediathek Bad Krozingen angekündigt. Die Veranstaltung wird wiederholt, da beim Vortragsabend in der "Woche der Seelischen Gesundheit" am 11.10.2018 aufgrund des unerwartet großen Andrangs viele interessierte Menschen wieder weggeschickt werden mussten. Zu dem großen Andrang hatte nicht zuletzt auch ein Zeitungsartikel in "Der Sonntag" gesorgt. Die Musik stammt von Superdirt , Daniel Mackler , "Ford Mustang" und "Früchte des Zorns" . Auch wenn die Musik frei verfügbar ist, ist es fair, die Künstler (z.B. durch den Kauf von CDs) zu unterstützen.]]> Sat, 02 Mar 2019 14:55:22 +0100 https://vielfalter.podspot.de/post/vielfalter-sendung-vom-28-februar-2019 7JVEK50v78lRu44jY7ZwyBc9XhOM0vDx "Die unheimliche Magie der Psychose", mit dem Hinweis auf ihre Lesung am 12. März, 18 Uhr, in der FHG / Club 55 in Freiburg. Es gibt einen Hinweis auf den Film CRAZYWISE, der von der Freiburger Initiative für Außerstationäre Krisenbegleitung ASK! e.V. am 13. März um 19 Uhr im SUSI.Bewohner*innen-Treff gezeigt wird, einen Hinweis auf die Tagung "Mit Suizidgedanken leben - Suizidalität und Selbsthilfe" am 13. April in Gießen, sowie einen Hinweis auf die Internationale Studie zum Absetzen von Neuroleptika von Will Hall und der Universität Maastricht. Zu guter Letzt wird noch die Wiederholung der Veranstaltung "Leben mit Psychose" am 27. März, 19 Uhr in der Mediathek Bad Krozingen angekündigt. Die Veranstaltung wird wiederholt, da beim Vortragsabend in der "Woche der Seelischen Gesundheit" am 11.10.2018 aufgrund des unerwartet großen Andrangs viele interessierte Menschen wieder weggeschickt werden mussten. Zu dem großen Andrang hatte nicht zuletzt auch ein Zeitungsartikel in "Der Sonntag" gesorgt. Die Musik stammt von Superdirt , Daniel Mackler , "Ford Mustang" und "Früchte des Zorns" . Auch wenn die Musik frei verfügbar ist, ist es fair, die Künstler (z.B. durch den Kauf von CDs) zu unterstützen.]]> 0 01:00:00 Sendung vom 27. Dezember 2018 "Wenn Helfer nicht helfen und Ärzte gewalttätig werden ... Sind Ärzte unantastbar?" auf das Unrecht aufmerksam machen möchte, das einer Freundin von ihr in einem Krankenhaus angetan wurde.]]> Sat, 29 Dec 2018 13:07:55 +0100 https://vielfalter.podspot.de/post/sendung-vom-27-dezember-2018 6gaGPMnSaMjggyNGIrMC8HDwBztItHiW "Wenn Helfer nicht helfen und Ärzte gewalttätig werden ... Sind Ärzte unantastbar?" auf das Unrecht aufmerksam machen möchte, das einer Freundin von ihr in einem Krankenhaus angetan wurde.]]> 0 01:00:00 Sendung vom 29. November 2018 (mit Jennifer Sonntag) https://rdl.de/sites/default/files/audio/2018/11/20181129-vielfalterma-a8648.mp3 Ich bitte um verständnis & Viel Spass beim Hören!]]> Thu, 20 Dec 2018 12:35:33 +0100 https://vielfalter.podspot.de/post/sendung-vom-29-november-2018-mit-jennifer-sonntag CvJVEOtpXAZcGxksqhf5Q0SInjAIN4tf https://rdl.de/sites/default/files/audio/2018/11/20181129-vielfalterma-a8648.mp3 Ich bitte um verständnis & Viel Spass beim Hören!]]> 0 Aktuell: Es sind wieder Beiträge verfügbar Thu, 15 Nov 2018 10:49:23 +0100 https://vielfalter.podspot.de/post/aktuell-es-sind-wieder-beitrage-verfugbar UEJ0C2btTISwRjBmCbtovPDyhMCEI6tg 0 VielFalter-Sendung vom 25. Oktober 2018 - mit Dr. Steffen Rabe von MEZIS MEZIS ("Mein Essen zahl ich selbst") eine Stellungnahme zum Konflikt Cochrane/Peter Gøtzsche veröffentlicht: https://mezis.de/mezis-stellungnahme-zum-konflikt-cochrane-peter-gotzsche/. In der heutigen Sendung hören wir ein Gespräch Dr. Steffe Rabe, der diese Stellungnahme verfasst hat. Anhören und Herunterladen via rdl.de Das neue Buch von Peter C. Gøtzsche "Gute Medizin - Schlechte Medizin. Wie Sie sinnvolle Therapien von unnötigen und schädlichen unterscheiden lernen " ist seit 8. Oktober im riva-Verlag erhältlich: https://www.m-vg.de/riva/shop/article/14878-gute-medizin-schlechte-medizin/ Ein weiteres Interview mit Dr. Steffen Rabe ist in der Mediathek von Radio Dreyeckland zu finden: https://rdl.de/beitrag/cochrane-collaboration-verliert-vertrauen]]> Fri, 26 Oct 2018 11:08:41 +0200 https://vielfalter.podspot.de/post/vielfalter-sendung-vom-25-oktober-2018-mit-dr-steffen-rabe-von-mezis a41164bbff9d7c1a3cc358bce9fdf4dd MEZIS ("Mein Essen zahl ich selbst") eine Stellungnahme zum Konflikt Cochrane/Peter Gøtzsche veröffentlicht: https://mezis.de/mezis-stellungnahme-zum-konflikt-cochrane-peter-gotzsche/. In der heutigen Sendung hören wir ein Gespräch Dr. Steffe Rabe, der diese Stellungnahme verfasst hat. Anhören und Herunterladen via rdl.de Das neue Buch von Peter C. Gøtzsche "Gute Medizin - Schlechte Medizin. Wie Sie sinnvolle Therapien von unnötigen und schädlichen unterscheiden lernen " ist seit 8. Oktober im riva-Verlag erhältlich: https://www.m-vg.de/riva/shop/article/14878-gute-medizin-schlechte-medizin/ Ein weiteres Interview mit Dr. Steffen Rabe ist in der Mediathek von Radio Dreyeckland zu finden: https://rdl.de/beitrag/cochrane-collaboration-verliert-vertrauen]]> 0 00:59:58 VielFalter-Sendung vom 27. September 2018 Mon, 01 Oct 2018 18:25:11 +0200 https://vielfalter.podspot.de/post/vielfalter-sendung-vom-27-september-2018 efd8098e21f02e1e3577af26852d25c1 0 00:59:47 Stellungnahme des BPE vom 27. 9. 2018 zur Zwangsunterbringungspraxis in Hamburg Stellungnahme des Bundesverband Psychiatrie-Erfahrener (BPE) e.V. zur Zwangsunterbringungspraxis in Hamburg Verzweifelter Widerstand eines jungen Mannes und Tod eines Behördenmitarbeiters Ein psychiatrieerfahrener junger Mann hat am 24.9. den Vollzug seiner Zwangsunterbringung in die Psychiatrie zu verhindern versucht, indem er die Bezirksamtsmitarbeiter des Zuführdienstes mit einem Brandsatz angriff. Einer der Mitarbeiter starb an seinen Verletzungen. Wir bedauern den Vorfall zutiefst, müssen jedoch klar äußern, dass wir nicht überrascht sind. Eine Zwangsunterbringung bedeutet, dass Menschen gegen ihren Willen und entgegen ihrer klaren Willensäußerung in die Psychiatrie verbracht werden. In der Psychiatrie angekommen drohen weitere Grundrechtsverletzungen: Einsperren in einen leeren Raum („Isolierung“), Anbinden ans Bett („Fixierung“) und Zwangsbehandlung mit Psychopharmaka oder Elektroschock. Dabei handelt es sich nach Einschätzung der Vereinten Nationen um Folter.(1) Tote auf Seiten der Opfer der Unterbringung gab es übrigens schon viele. Sie wurden erschossen, weil sie sich wehrten oder starben in der Psychiatrie unter oft nicht geklärten Umständen.(2) Dies ist bekannt und wird billigend in Kauf genommen. Es gehört zur Normalität der Zwangsunterbringungspraxis. Es gibt also gute Gründe, sich gegen eine Zwangsunterbringung zu wehren. Leider haben die wenigsten Betroffenen Informationen über Möglichkeiten, sich der Unterbringung zu entziehen.(3) Hinzu kommt, dass Psychiatrie-Erfahrene nur selten mit der Solidarität ihrer Mitmenschen rechnen können oder gar einen Ort haben, an dem sie Zuflucht vor der Zwangsunterbringung erhalten. Es ist bekannt, dass Opfer von Zwangsunterbringungen während ihrer Verschleppung um Hilfe schreien, spucken oder versuchen, sich körperlich zu verteidigen. Das ist nie von Erfolg gekrönt – in der Regel wird darauf mit noch mehr Gewalt geantwortet. Es war aus unserer Sicht nur eine Frage der Zeit, bis eine Person sich mit drastischeren Mitteln zu wehren versucht. Dass es sich dabei um eine Person handelt, die zuvor nie durch Gewalttätigkeit aufgefallen ist, zeigt, zu welchen Taten das menschenrechtswidrige System aus Psychiatrie und Zwangsbetreuung Menschen treiben kann, wenn sie derart in die Ecke gedrängt werden. Ohne dieses Zwangssystem wäre die Gewaltsituation in Hamburg nie entstanden. Der zu Tode gekommene Bezirksamtsmitarbeiter ist somit ein Opfer dieses Systems. Die Diskussion um einen besseren „Schutz“ von Bezirksamtsmitarbeitern z.B. durch Waffen oder Polizei stigmatisiert Betroffene von Zwangsunterbringungen als gemeingefährlich. Der Einsatz von Polizei macht eine Zwangsunterbringungssituation nicht sicherer. Sie verschiebt lediglich das Risiko, zu sterben, und zwar zuungunsten der Betroffenen des Zwanges. Das zeigt deutlich, wessen Leben in unserer Gesellschaft wie viel wert ist. Die seit 2009 auch in Deutschland geltende UN-Behindertenrechtskonvention verlangt, dass die Freiheitsrechte von Menschen mit Beeinträchtigungen ebenso geachtet werden wie die jedes anderen Menschen. Das heißt, dass niemand gegen seinen Willen psychiatrisiert werden darf. Nein heißt Nein. Zwangsunterbringungen verstoßen gegen die UN-BRK. Begonnen hat das Drama von Hamburg übrigens 2014 mit einer freiwilligen psychiatrischen Behandlung. Im Zuge dieser wurde für den Betroffenen der Betreuer bestellt, der Urheber der aktuellen Zwangsunterbringung war.(4) __________________________________________________________________________________ 1 Die Vereinten Nationen stufen diese Zwangsmaßnahmen als Folterhandlungen ein a) Bericht des Sonderberichterstatters über Folter, Juan E. Méndez: https://www.ohchr.org/Documents/HRBodies/HRCouncil/RegularSession/Session22/A.HRC.22.53_English.pdf b) Abschließende Bemerkungen der Staatenberichtsprüfung des UN-BRK-Komitees: https://www.institut-fuer-menschenrechte.de/fileadmin/user_upload/PDF-Dateien/Pakte_Konventionen/CRPD_behindertenrechtskonvention/crpd_state_report_germany_1_2011_ConObs_2015_en.pdf 2 https://taz.atavist.com/polizeitote#chapter-2274951 https://www.zwangspsychiatrie.de/2011/09/kundgebungsdemo-am-15-9-vor-dem-behordlich-medizinischen-komplex-von-berlin-reinickendorf/ https://www.tagesspiegel.de/berlin/polizei-justiz/todesschuss-in-reinickendorf-frau-starb-durch-eine-polizeikugel/4536386.html https://www.heise.de/tp/features/Die-Psychiatrie-ist-im-Kern-Zwangspsychiatrie-3397471.html https://initiative-zwangbefreit.jimdo.com/2018/04/15/demoaufruf-so-13-mai-mahnwache-ein-jahr-nach-dem-tod-von-ahmet/ https://www.abendzeitung-muenchen.de/inhalt.raetselhafter-tod-in-psychiatrie-wie-ist-juergen-mollath-ums-leben-gekommen.797808c5-fea2-4377-924b-d0b6e0016db9.html https://www.youtube.com/watch?v=YfxdpoMLUwg https://www.welt.de/regionales/hamburg/article181264358/Hamburg-57-Jaehriger-Patient-stirbt-in-der-Psychiatrie.html https://www.stimme.de/polizei/suedwesten/Tod-in-der-Psychiatrie-Ermittlungen-gegen-Personal-und-Polizei;art1495,4027363 http://www.bpe-online.de/verband/rundbrief/2016/2-16.pdf (S. 11) http://www.psychiatrie-erfahrene-nrw.de/psychopharmaka/todesfaelle.html 3 https://www.zwangspsychiatrie.de/erste-hilfe/zwangseingewiesen/ 4 https://www.ndr.de/nachrichten/hamburg/Brand-Attacke-Verletzte-ausser-Lebensgefahr,brand6632.html ]]> Fri, 28 Sep 2018 14:57:37 +0200 https://vielfalter.podspot.de/post/stellungnahme-des-bpe-vom-27-9-2018-zur-zwangsunterbringungspraxis-in-hamburg f68b4a6d3d34fd8931873ce24396f3cb Stellungnahme des Bundesverband Psychiatrie-Erfahrener (BPE) e.V. zur Zwangsunterbringungspraxis in Hamburg Verzweifelter Widerstand eines jungen Mannes und Tod eines Behördenmitarbeiters Ein psychiatrieerfahrener junger Mann hat am 24.9. den Vollzug seiner Zwangsunterbringung in die Psychiatrie zu verhindern versucht, indem er die Bezirksamtsmitarbeiter des Zuführdienstes mit einem Brandsatz angriff. Einer der Mitarbeiter starb an seinen Verletzungen. Wir bedauern den Vorfall zutiefst, müssen jedoch klar äußern, dass wir nicht überrascht sind. Eine Zwangsunterbringung bedeutet, dass Menschen gegen ihren Willen und entgegen ihrer klaren Willensäußerung in die Psychiatrie verbracht werden. In der Psychiatrie angekommen drohen weitere Grundrechtsverletzungen: Einsperren in einen leeren Raum („Isolierung“), Anbinden ans Bett („Fixierung“) und Zwangsbehandlung mit Psychopharmaka oder Elektroschock. Dabei handelt es sich nach Einschätzung der Vereinten Nationen um Folter.(1) Tote auf Seiten der Opfer der Unterbringung gab es übrigens schon viele. Sie wurden erschossen, weil sie sich wehrten oder starben in der Psychiatrie unter oft nicht geklärten Umständen.(2) Dies ist bekannt und wird billigend in Kauf genommen. Es gehört zur Normalität der Zwangsunterbringungspraxis. Es gibt also gute Gründe, sich gegen eine Zwangsunterbringung zu wehren. Leider haben die wenigsten Betroffenen Informationen über Möglichkeiten, sich der Unterbringung zu entziehen.(3) Hinzu kommt, dass Psychiatrie-Erfahrene nur selten mit der Solidarität ihrer Mitmenschen rechnen können oder gar einen Ort haben, an dem sie Zuflucht vor der Zwangsunterbringung erhalten. Es ist bekannt, dass Opfer von Zwangsunterbringungen während ihrer Verschleppung um Hilfe schreien, spucken oder versuchen, sich körperlich zu verteidigen. Das ist nie von Erfolg gekrönt – in der Regel wird darauf mit noch mehr Gewalt geantwortet. Es war aus unserer Sicht nur eine Frage der Zeit, bis eine Person sich mit drastischeren Mitteln zu wehren versucht. Dass es sich dabei um eine Person handelt, die zuvor nie durch Gewalttätigkeit aufgefallen ist, zeigt, zu welchen Taten das menschenrechtswidrige System aus Psychiatrie und Zwangsbetreuung Menschen treiben kann, wenn sie derart in die Ecke gedrängt werden. Ohne dieses Zwangssystem wäre die Gewaltsituation in Hamburg nie entstanden. Der zu Tode gekommene Bezirksamtsmitarbeiter ist somit ein Opfer dieses Systems. Die Diskussion um einen besseren „Schutz“ von Bezirksamtsmitarbeitern z.B. durch Waffen oder Polizei stigmatisiert Betroffene von Zwangsunterbringungen als gemeingefährlich. Der Einsatz von Polizei macht eine Zwangsunterbringungssituation nicht sicherer. Sie verschiebt lediglich das Risiko, zu sterben, und zwar zuungunsten der Betroffenen des Zwanges. Das zeigt deutlich, wessen Leben in unserer Gesellschaft wie viel wert ist. Die seit 2009 auch in Deutschland geltende UN-Behindertenrechtskonvention verlangt, dass die Freiheitsrechte von Menschen mit Beeinträchtigungen ebenso geachtet werden wie die jedes anderen Menschen. Das heißt, dass niemand gegen seinen Willen psychiatrisiert werden darf. Nein heißt Nein. Zwangsunterbringungen verstoßen gegen die UN-BRK. Begonnen hat das Drama von Hamburg übrigens 2014 mit einer freiwilligen psychiatrischen Behandlung. Im Zuge dieser wurde für den Betroffenen der Betreuer bestellt, der Urheber der aktuellen Zwangsunterbringung war.(4) __________________________________________________________________________________ 1 Die Vereinten Nationen stufen diese Zwangsmaßnahmen als Folterhandlungen ein a) Bericht des Sonderberichterstatters über Folter, Juan E. Méndez: https://www.ohchr.org/Documents/HRBodies/HRCouncil/RegularSession/Session22/A.HRC.22.53_English.pdf b) Abschließende Bemerkungen der Staatenberichtsprüfung des UN-BRK-Komitees: https://www.institut-fuer-menschenrechte.de/fileadmin/user_upload/PDF-Dateien/Pakte_Konventionen/CRPD_behindertenrechtskonvention/crpd_state_report_germany_1_2011_ConObs_2015_en.pdf 2 https://taz.atavist.com/polizeitote#chapter-2274951 https://www.zwangspsychiatrie.de/2011/09/kundgebungsdemo-am-15-9-vor-dem-behordlich-medizinischen-komplex-von-berlin-reinickendorf/ https://www.tagesspiegel.de/berlin/polizei-justiz/todesschuss-in-reinickendorf-frau-starb-durch-eine-polizeikugel/4536386.html https://www.heise.de/tp/features/Die-Psychiatrie-ist-im-Kern-Zwangspsychiatrie-3397471.html https://initiative-zwangbefreit.jimdo.com/2018/04/15/demoaufruf-so-13-mai-mahnwache-ein-jahr-nach-dem-tod-von-ahmet/ https://www.abendzeitung-muenchen.de/inhalt.raetselhafter-tod-in-psychiatrie-wie-ist-juergen-mollath-ums-leben-gekommen.797808c5-fea2-4377-924b-d0b6e0016db9.html https://www.youtube.com/watch?v=YfxdpoMLUwg https://www.welt.de/regionales/hamburg/article181264358/Hamburg-57-Jaehriger-Patient-stirbt-in-der-Psychiatrie.html https://www.stimme.de/polizei/suedwesten/Tod-in-der-Psychiatrie-Ermittlungen-gegen-Personal-und-Polizei;art1495,4027363 http://www.bpe-online.de/verband/rundbrief/2016/2-16.pdf (S. 11) http://www.psychiatrie-erfahrene-nrw.de/psychopharmaka/todesfaelle.html 3 https://www.zwangspsychiatrie.de/erste-hilfe/zwangseingewiesen/ 4 https://www.ndr.de/nachrichten/hamburg/Brand-Attacke-Verletzte-ausser-Lebensgefahr,brand6632.html ]]> 0 \"Feministische Psychiatriekritik\" - Interview mit Autorin Peet Thesing \"Feministische Psychiatriekritik\" erschienen. Psychiatriekritik ist ein Thema, mit dem sich hierzulande noch nicht allzuviele Menschen beschäftigen. Grund genug, die Autorin Peet Thesing um ein Gespräch zu bitten und nach ihrer Intention zu fragen.]]> Sun, 23 Sep 2018 20:29:57 +0200 https://vielfalter.podspot.de/post/feministische-psychiatriekritik-interview-mit-autorin-peet-thesen ad931d1626f7ede90646b7664580e7ce \"Feministische Psychiatriekritik\" erschienen. Psychiatriekritik ist ein Thema, mit dem sich hierzulande noch nicht allzuviele Menschen beschäftigen. Grund genug, die Autorin Peet Thesing um ein Gespräch zu bitten und nach ihrer Intention zu fragen.]]> 0 00:29:41